Abschlusskonzert Bach & now! – Agathenburger Bachtage 2026
Schloss Agathenburg, Pferdestall
Im Echo – Bach und seine Resonanzen
Alexandra Sostmann, Klavier
Das Konzert am 26. April zum Abschluss der Agathenburger Bachtage widmet sich einem musikalischen Dialog über Jahrhunderte hinweg – ausgehend von den Präludien und Fugen aus dem zweiten Band des Das wohltemperierte Klavier von Johann Sebastian Bach. Dieses Werk zählt zu den bedeutendsten der Musikgeschichte und fasziniert bis heute durch seine Klarheit, Tiefe und kompositorische Meisterschaft. In seinem Kosmos polyphoner Stimmen erscheint Bach als Architekt einer musikalischen Ordnung, die weit über seine Zeit hinauswirkt.
Im Zentrum des Programms steht die Idee des „Echos“: Bach als Ursprung einer Denkweise, die von späteren Komponisten aufgegriffen, weiterentwickelt und transformiert wird – nicht als bloße Nachahmung, sondern als lebendige Weiterführung in Klang, Farbe und Ausdruck.
Die Dramaturgie des Konzerts ist bewusst als Gegenüberstellung gestaltet. Den Präludien und Fugen Bachs – geprägt von innerer Logik, Klarheit und struktureller Strenge – werden Préludes des 19. und 20. Jahrhunderts gegenübergestellt. Diese erscheinen als Momentaufnahmen, als klangliche Zustände von großer Ausdruckskraft und Verdichtung.
Bei Frédéric Chopin wird die polyphone Idee in eine intime, konzentrierte Form überführt. Seine Préludes eröffnen dichte Gefühlsräume, in denen sich strukturelle Klarheit und emotionale Tiefe auf engstem Raum begegnen.
Alexander Scriabin löst die architektonische Anlage zunehmend auf. Stimmen beginnen zu schweben, die Harmonik wird durchlässiger. Das Echo Bachs bleibt dabei als feines Geflecht innerer Beziehungen im Klang erhalten.
In den Préludes von Sergei Rachmaninow erweitert sich der musikalische Raum. Polyphone Linien verdichten sich zu vielschichtigen Klangbildern, treten hervor und verschwinden wieder – wie Stimmen in einem großen, atmenden Organismus.
Einen besonders bewussten Rückbezug auf Bach schafft Dmitri Schostakowitsch mit seinem Zyklus op. 87. Hier wird das Prinzip von Präludium und Fuge in eine moderne, oft existenziell geprägte Tonsprache überführt. Polyphonie wird zum Ausdruck innerer Spannung – zwischen Klarheit und Bruch.
So entsteht ein Programm, das Bach nicht nur als historischen Ausgangspunkt zeigt, sondern als lebendige Idee: als musikalisches Denken, in dem Struktur und Ausdruck untrennbar verbunden sind – und dessen Echo bis heute in den Klangwelten späterer Komponisten weiterlebt.
„Gedankenvoll, aber nicht gedankenschwer ist ihr Bach-Spiel, gemessen, das heißt: immer das richtige Maß findend, und damit immer angemessen, immer wohldurchdacht, immer voller Sorgfalt und damit voller natürlicher Klarheit, voll gewaltiger Gelassenheit, dabei aber immer mit bebender Binnenspannung. Vor allem aber: immer höchst lebendig, singend, bisweilen straff oder sanft swingend, immer aber: bezwingend.“
Rainer W. Janka, Klassik Heute
J. S. Bach (1685 – 1750) Präludium & Fuge à 3 voci. C-Dur BWV 870
F. Chopin (1810 – 1849) Prélude op.28 Nr.2 a-Moll
J. S. Bach (1685 – 1750) Präludium & Fuge à 4 voci. c -Moll BWV 871
F. Chopin (1810 – 1849) Prélude op.28 Nr. 20 c-Moll
J. S. Bach (1685 – 1750) Präludium & Fuge à 3 voci. Cis-Dur BWV 872
F. Chopin (1810 – 1849) Prélude op.28 Nr. 15 Des-Dur
A. Scriabin (1872 – 1915) Prélude op.11 No.16 b-Moll
J. S. Bach (1685 – 1750) Präludium & Fuge à 4 voci. dis-Moll BWV 877
A. Scriabin (1872 – 1915) Prélude op.11 No. 12 gis-Moll
S. Rachmaninov (1873 – 1943) Prélude op.32 No.11 H-Dur
J. S. Bach (1685 – 1750) Präludium & Fuge à 3 voci. h-Moll BWV 893
S. Rachmaninov (1873 – 1943) Prélude op.32 No. 10 h-Moll
J. S. Bach (1685 – 1750) Präludium & Fuge à 3 voci. cis-Moll BWV 873
S. Rachmaninov (1873 – 1943) Prélude op.32 No.12 gis-Moll
J. S. Bach (1685 – 1750) Präludium & Fuge à 3 voci. E-Dur BWV 878
A. Scriabin (1872 – 1915) Prélude op.11 No.4 e-Moll
J. S. Bach (1685 – 1750) Präludium & Fuge à 3 voci. d-Moll BWV 875
D. Schostakowitsch (1906 – 1975) Präludium & Fuge d-Moll op.87